Erst ein Buch, dann zwei…

Kennt ihr das auch? Ihr habt eine gute Idee zu einer Geschichte. Ihr habt Charaktere, Szenen und Höhepunkte im Kopf, die ihr genauso ausarbeiten wollt, wie es sich in euren Gedanken darstellt. Und sobald ihr anfangt zu schreiben, werden die Beschreibungen ausführlicher, die Szenen länger und neue Charaktere verlangen mehr und mehr Aufmerksamkeit.

Plötzlich macht sich die Erkenntnis breit: Das kriege ich nie in ein einziges Buch!

Als ich vor fast 13 Jahren zum ersten Mal an meinem Fantasyroman zu arbeiten begann, ist genau das passiert. Ich hatte so viele geplante ergreifende Szenen, schockierende Enthüllungen und epische Finale in meinem Kopf, dass ich aufpassen musste, nicht alles auf einmal reinzuquetschen.

Planänderung: Ich werde eine Trilogie schreiben!

Der Plan für Teil 1 stand fest und ich wusste, wo ich den Schnitt machen wollte. Ich begann zu schreiben und für Jahre habe ich so viel hin und hergschoben, dass ich nie wirklich über 30.000 Wörter hinauskam. Ich dachte, wenn ich einfach nach Gefühl runterschreibe, dann wird sich das meiste schon ergeben. Planen war doch langweilig und zerstört den kreativen Prozess.

Damals habe ich gelernt, dass es zwei Schreibschulen gibt: Die der Plotter, die alles bis ins kleinste Detail planen, und die Pantser, die alles spontan und nach reinem Gefühl schreiben. Ich sah mich stets als Pantser. Ich hab die Geschichte doch im Kopf. Also muss ich es nur runterschreiben, nicht wahr?

Bald wollte ich dies und dann das mit den Charakteren machen. Und dann passt es auf einmal nicht mehr in den folgenden Büchern. Mist!

Oft habe ich frustriert den metaphorische Feder niedergelegt, weil die ständigen Änderungen zu sehr an meinem Selbstvertrauen nagten und meine Hoffnung zerfraßen, dass ich je bis ans Ende gelange.

Nach vielen Jahren voller Neuanfänge und Überarbeitungen habe ich mich letztes Jahr endlich hingesetzt und beschlossen: Jetzt planst du erst mal die gesamte Handlung des ersten Buches komplett durch. Ich musste all die Sackgassen und Hindernisse doch irgendwie überwinden können. Und ich habe nicht mehr die Kraft, alle paar Szenen wieder die vorangegangen umzuschreiben.

Und siehe da! Innerhalb eines langen Abends habe ich die gesamte Handlung strukturiert ausgeschrieben in meinem großen Notizbuch und hatte endlich den bestmöglichen roten Faden gefunden. Endlich konnte ich wirklich schlicht schreiben schreiben und schreiben, ohne michum die möglichen Handlungsverläufe sorgen zu müssen. Und zu meiner Überraschung gab es mir noch mehr kreative Energie und ich konnte hier und da spontan Szenen einwerfen, ohne mir um den Gesamtrahmen und den Umfang Gedanken zu machen.

6 Monate später war endlich der erste Teil fertiggeschrieben. Verdammt, fühlte sich das gut an! Nach so vielen Jahren war der Knoten endlich geplatzt und der Faden wurde von einem wilden Knäuel zu einer geraden Linie, der man viel einfacher folgen konnte.

Also ging die Planung für Teil 2 los. Und plötzlich gab es wieder ein Problem: Wenn ich wie geplant die Handlung von Teil 2 durchziehe, dann bleibt nur noch sehr wenig für Teil 3 übrig. Wie gedenke ich, die Handlungslücken im dritten Teil zu füllen, ohne es unnötig in die Länge zu ziehen?

Darum entschied ich mich, statt einer Trilogie einen Zweiteiler zu schreiben.

Die Arbeit begann. Erneut gehe ich in Gedanken die Szenen durch, plane alles aus und es passte. Das Schreiben konnte beginnen!

Und plötzlich war da die gleiche Sackgasse, wie im ersten Buch. Es fühlte sich zu schnell, zu gequetscht und gestaucht an. Die Charaktere hatten kaum Zeit, sich glaubhaft zu entwickeln, die verschiedenen Handlungsorte waren viel zu sprunghaft aneinandergereiht und die geplanten Höhepunkte wirkten damit so aneinandergereiht, dass die Gravitas vollkommen flöten ging.

Ich beschloss, in den sauren Apfel zu beißen und Szenen, die eigentlich in Teil 2 vorkommen sollten, rauszunehmen und doch in einen dritten Teil einzuflechten. Ich hatte immer noch zu wenig Material, um eine volle Handlung für ein drittes Buch aufzubauen, aber Teil 2 hatte erst einmal Vorrang.

Und so wurde der Zweiteiler wieder zur Trilogie. Und ich bin froh, dass ich mich dazu entschieden hatte.

Ich bin inzwischen beinahe mit Band 2 fertig und so zufrieden mit der Entwicklung, wie ich es mir nie hätte vorstellen können. Das Tempo stimmte endlich, die Charaktere haben allesamt ihre kleinen Höhepunkte und Entwicklungsstufen und die Handlung ging hervorragend voran.

Und man höre und staune: Inziwschen habe ich auch eine Lösung für die fehlenden Handlungsstränge in Band 3 gefunden. Alles kommt zusammen. Die Trilogie ist vollständig geplant und bereit, abgeschlossen zu werden.

Wenn ihr also das Gefühl habt, dass eure Geschichte Änderungen braucht, dann habt ihr vermutlich recht. Und wenn eine Umstrukturierung notwendig ist, dann ist das halt so. Änderungen sind ein natürlicher Bestandteil des Schreibens und niemand hat sofort das perfekte Buch im Kopf, geschweige denn den perfekten Plan. Aber mit der richtigen Planung kann man sich viel Frust ersparen, was wiederum der Motivation und Kreativität ungeheuer dienlich ist.

Heute schreibe ich als Hybrid von Plotter und Pantser. Ich plane grob die Handlungspfosten vor, damit ich einen roten Faden habe, nachdem ich mich richten kann. Und ich lasse damit genug Lücken, die ich dann nach Gefühl füllen und aufkommende Probleme kreativ lösen kann.

Ich habe gelernt, dass Planung mir definitv weiterhilft. Und da der organisatorische Kram damit erledigt war, konnte ich meine Kreativität vollkommen frei fließen lassen und ein unerwartet befreiendes Gleichgewicht stellte sich in meinem Schreibprozess ein.

Hat doch nur 13 Jahre gedauert. Gar nicht schlecht, oder? *hust*

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